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Mit Farbe, Form und Fantasie - Der EPLF auf den Spuren der Dekorentwickler

1 August 2002

Am Anfang steht die Idee: Ein Bild, ein Kleidungsstück, ein Baum, eine Blume, ein Muster, eine Farbe oder eine Struktur. "Man sieht etwas, nimmt einen Eindruck aus der Umwelt auf und im Kopf entsteht eine Vorstellung, eine erste Skizze, wie ein neues Dekor aussehen könnte", erzählt Michael Meier, bei dem Arnsberger Dekordrucker Interprint GmbH & Co. KG für die Kollektion der Holz- und Fußbodendekore zuständig. "Das kann im Urlaub sein, auf der Fahrt ins Büro, bei Freunden oder Bekannten, beim Bummel durch die Stadt oder auf einem Spaziergang durch den Wald. Ein Designer ist immer auf der Suche - bereit, die ihn umgebenden Eindrücke aufzunehmen und kreativ zu gestalten." Manche Ideen liegen in der Luft, korrespondieren mit dem Zeitgeist oder der Mode, andere entstehen aus sich selbst heraus, schaffen etwas ganz Neues.

Ist eine Dekor-Idee entstanden, bringt man sie zu Papier, macht ein Bild, eine Skizze, oder es handelt sich um eine Naturvorlage, wie etwa ein Holzfurnier oder einen Stein. "Bis zu diesem Punkt ist noch alles vergleichsweise einfach", sagt Michael Meier und hält eine detailgetreue Aufnahme eines Eichenfurniers gegen das Fenster. Die Vorlage wird in der Reproabteilung des Druckunternehmens digitalisiert - eine Reproduktion erzeugt -, die dann mittels digitaler Bildbearbeitung nach Belieben weiter gestaltet werden kann. Das System bietet dem Dekorentwickler eine Vielzahl von Farben, Formen und Strukturen, um aus der Originalaufnahme ein neues attraktives Dekor in dem gewünschten hellen Eicheton entstehen zu lassen. Ein kreativer Prozess, in dem technisches Know-how und individueller Gestaltungswillen Hand in Hand gehen. "Vor diesem Hintergrund versteht es sich fast von selbst, dass die Entwicklung eines neuen Dekors immer eine Teamleistung darstellt," betont Elisabeth Zenker, Designdirektorin der Interprint International.

Viele Dekore werden ganz spezifisch für einen Kunden entwickelt, beispielsweise für einen Laminatfußbodenproduzenten, der oftmals bereits eine ganz konkrete Vorstellung eines neuen Designs mitbringt. In diesem Fall ist es Aufgabe eines Designers bzw. der Entwicklungsabteilung des Dekordruckers, die Vorstellung zu konkretisieren und in eine umsetzbare Form zu bringen. Daneben werden aber auch innerhalb des dekorproduzierenden Unternehmens eigene, neue Dekore entwickelt, die man einem Kunden anbieten kann und die nicht selten auch neue Trends auslösen. "Gelegentlich kaufen wir auch schon mal ein Dekor von einem freien Designer zu, sofern seine Idee ins Produktportfolio passt und sich erfolgreich vermarkten lässt," so Elisabeth Zenker.

Der Künstler in der Reproabteilung

Der Entwicklungsprozess eines neuen Dekors beginnt mit der Layoutphase, eben jener Phase, in der ein Dekorentwurf entwickelt, das Design verfeinert und bis ins Detail ausgearbeitet wird. Der Mitarbeiter, der hier die Feinarbeit am Computer übernimmt, braucht ein scharfes Auge, individuelles Gestaltungsvermögen und viel Geduld. Bei einem Holzdekor beispielsweise sind die vielen einzelnen Strukturelemente einer Maserung für einen Laien kaum zu unterscheiden, der Mitarbeiter in der Reproabteilung eines Dekordruckers jedoch kann dies absolut perfekt, er schneidet hier eine Rosette aus und fügt sie woanders wieder ein, erzeugt so ein in Farbbild und Struktur stimmiges neues Design. "Die digitale Bildbearbeitung bietet den Druckern heute alle Möglichkeiten", sagt Michael Meier, der zufrieden auf den neuen Dekorentwurf in heller Eiche blickt und bereits eine neue Designidee im Kopf hat.

Was jetzt folgt, erschließt sich dem unkundigen Beobachter erst auf den zweiten Blick: die sogenannte Endlosbearbeitung. Das in Farbe und Struktur fertig bearbeitete Dekor wird in eine kontinuierliche Form gebracht. Gemeint ist nichts anderes, als dass die Bilddatei, deren Daten später auf den Druckzylinder graviert werden, keinen Anfang und kein Ende mehr hat. Wäre dies anders, würde das Dekor nach dem Druckprozess einen sichtbaren Rapport aufweisen, – etwas, das nicht gewollt ist. Nach der Endlosbearbeitung wird das Dekor in seine Einzelfarben aufgeteilt, denn über jeden Druckzylinder wird später nur ein Bestandteil der Struktur auf das Papier aufgebracht. "Man kann mit bis zu vier Farben, sprich vier Druckzylindern, arbeiten", erklärt Elisabeth Zenker. "Je mehr Farben verwendet werden, desto mehr Tiefe und Aussagefähigkeit entwickelt ein Dekor."

Der Original-Proof – Muster für den Kunden

Nach der Freigabe des Dekors auf der Basis digital gedruckter Proofs werden die Laborzylinder graviert. Neben der nun bestehenden Möglichkeit, "Original-Proofs" zu erstellen, werden mit den Laborzylindern die Kollektionsfarben und auch kundenspezifische Ausmusterungen erstellt. "Insbesondere bei Fußbodendekoren ist ein solcher Original-Proof unverzichtbar", sagt Michael Meier, "denn die Wirkung eines Boden-Dekors lässt sich nur über eine größere Fläche einschätzen." Der Proof dient zudem als Muster für den Kunden, gefällt er nicht oder sind Veränderungen gewünscht, kann der Entwickler an dieser Stelle noch mal eingreifen und die Daten entsprechend verändern. Gibt der Kunde sein Plazet, kann der eigentliche Produktionsprozess starten: Die Originalzylinder werden graviert und installiert und die Farben entsprechend der Ausmusterung gemischt. Bereits nach der Gravur der Laborzylinder legt man die für das Dekor geeigneten Basispapiertypen fest." Für jedes Dekor wird das passende Papier benötigt, denn Farbton und Stärke des Papiers beeinflussen das Druckergebnis entscheidend," so Meier. Normales Basispapier wiegt durchschnittlich 75 g pro m² und hat einen weißen oder cremigen Farbton. Dann kann´ s losgehen: Das 2,20 Meter breite Papier wird eingespannt, die Maschinen laufen an, die Druckzylinder drehen sich, die Farben, die in großen Bottichen neben der Druckmaschine aufgereiht sind, werden dem Produktionsprozess sukzessive zugeführt. So werden Meter um Meter produziert, schließlich kundenspezifisch geschnitten, verpackt und ausgeliefert.

Die Entwicklung eines neues Dekors kostet zwischen 40.000 und 50.000 Euro, eine Investition, die sich nur lohnt, wenn sicher gestellt ist, dass das neu entwickelte Dekor einen Abnehmer hat. Dennoch muss ein renommiertes Dekordruck-Unternehmen, das wettbewerbsfähig bleiben will, immer auch neue Ideen entwickeln, Testserien fahren, Angebote an den Markt machen, Trends aufspüren. "Eine gleichermaßen anspruchsvolle, wie spannende Aufgabe," so der Produktmanager von Interprint.

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Anne-Claude Martin
Pressereferentin
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